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Minderheit

Tim Cook, CEO Apple, hat sich am vergangenen Donnerstag öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Ich bewundere diesen Schritt sehr, in seiner Position damit an die Öffentlichkeit zu gehen und freue mich über seinen Beitrag im Ringen um Anerkennung, Toleranz und Gleichstellung von Homosexualität, den es auch im Jahre 2014 leider noch braucht.

Being gay has given me a deeper understanding of what it means to be in the minority and provided a window into the challenges that people in other minority groups deal with every day. It’s made me more empathetic, which has led to a richer life.

Insbesondere dieser Satz hat mich sehr berührt, denn es ist ein Gefühl, dass ich sehr gut nachvollziehen kann. Bis zu meinem Coming Out 2005 kannte ich Diskriminierung nicht aus persönlicher Erfahrung. Ich bin weiß, männlich, ohne erkennbaren oder direkten Migrationshintergrund, gut gebildet und arbeite in einem angesehenem Beruf. Mit meinem Coming Out und meiner Entscheidung, dies nicht weiter zu verstecken, änderte sich dies. Auf einmal lebe ich in einem Land, in dem ich vor dem Gesetz nicht in jeder Hinsicht gleichgestellt bin. Auch wenn sich in den letzten Jahren sehr vieles zum Besseren geändert hat, existieren z.B. immer noch ca. 150 Regelungen in 54 Gesetzen, die Homosexuelle Paare nicht mit der Ehe gleichstellen.

Ich lebe in einer Gesellschaft, die in Teilen meine Natur, meine Art zu leben und zu lieben regelrecht hasst. Etwa 14% in Westdeutschland bewerten 2012 homosexuelle Beziehungen zu einem Mann mit „schlimm“ oder „sehr schlimm“, Tendenz zum Glück fallend. Mein Freund und ich haben es schon erlebt, dass uns unvermittelt „Schwuchtel“ oder „Früher hätte man sowas vergast“ an den Kopf geworfen wurde, nur weil wir Händchen-haltend durch die Stadt gegangen sind. Es passiert zum Glück sehr selten, aber schon nach dem ersten Erlebnis hat es mich verändert und die Angst vor Schlimmeren ist irgendwo immer präsent – mal mehr mal weniger.

Nun sieht man mir meine Homosexualität nicht an, wenn ich nicht mit meinem Freund zusammen bin und wir uns eben wie ein Paar verhalten. Wenn ich alleine durch die Stadt gehe, dann bin ich wieder der weiße Mann, der in Deutschland in der Masse untergeht. Das würde mir schwer fallen, wäre Homosexualität so sichtbar wie ausländische Wurzeln zu haben oder streng andersgläubig zu sein – oder eine Frau zu sein. Wenn ich täglich damit rechnen müsste, von Mitmenschen nicht wie ein Mensch behandelt zu werden, wäre das eine große Belastung für mich. Deswegen bewundere ich jede und jeden, die es schaffen, damit umzugehen und Mensch zu bleiben. Damit dieser Kampf für uns alle einmal Geschichte ist, werde ich mich auf allen mir umgänglichen Ebenen einsetzen. Der Tag wird kommen.

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