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Alkohol

Tobias Baier will keinen Alkohol mehr trinken, und wie ich finde tut er das aus sehr nachvollziehbaren Gründen. Ich hingegen bin mitten im alljährlichen Holland-Urlaub mit alten Freunden, der in etwa so wie eine feucht-fröhliche Mannschaftsfahrt eines Sportvereins abläuft, nur dass wir eben kein Sportverein sind. Auf dem Siggi trifft man mittlerweile nicht nur die Sonne sondern auch seine Freunde und ein Feierabendbier. Die Güte einer BiBloStaTi-Lokalität wird daran festgemacht, wie schnell der Nachschub an Hopfenwasser von statten geht. Außerdem habe ich vor kurzen den neuen YouTube Kanal
DrinksTube von Jamie Oliver abonniert. Alkohol ist also durchaus ein Teil meines Lebens. Und ich Frage mich, warum eigentlich.

Heute schütte ich mich zu,
denn ich hab ja allen Grund dazu
– Karl Dall

Ich habe nicht viele gute Erinnerungen an Alkohol, ehrlich gesagt sogar deutlich mehr schlechte als gute. Gläser zuviel vertrage ich ganz schlecht, mein Kater findet aber vorwiegend in Magen-Darm-Bereich statt. Aus Übelkeit wird nichts gegessen und bei meinem niedrigen Körpergewicht ist dann mit dem Kreislauf auch ganz schnell Ende, bzw. ein Erholungstag dahin.

Nervengift Alkohol
Aber auch wenn der Körper mitspielt, ist der nächste Tag doch anders. Ich schlafe mit Alkohol bei weitem nicht so gut wie ohne. Alles ist etwas träger, alles etwas langsamer.
Und sind wir mal ehrlich, Alkohol macht uns alle etwas dumm im Kopf, deswegen ist man auch einfach enthemmter. Dabei halte ich mich nicht für einen Menschen, der dafür Alkohol braucht, wenn ich mir meine nüchternen Tweets am helligen Tag so ansehe.

Amateurliga
Ich bin faktisch auch kein großer „Trinker“. Mein Wein-Abo habe ich sicher vor 4 Jahren schon abbestellt und ich habe immer noch Weine übrig. Der Kasten Bier von meinem letzten Geburtstag ist diese Woche erst leer geworden – weil ich ein Bierbrot gebacken habe. Die Flasche Rum, die es als Geschenk gab, steht ungeöffnet in der Küche. Bei Kneipenabenden gibt es mehr Menschen mit bemalteren Deckeln als meiner. Unter der Woche mache ich mir alleine fast nie einen Rotwein auf und kaufe kaum eben schnell ein Bier am Kiosk. Und wenn ich mich auf ein Lieblingsbier festlegen müsste, es wäre ein alkoholfreies Weizen. Man könnte sagen, bei Alkohol bin ich Amateurliga.

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Dabei schmeckt mir Alkohol durchaus. Ich habe großen Spass daran, beim Wein die unterschiedlichen Geschmäcker und Nuancen herauszufinden. Gleiches gilt für Whisky und wenn ich mir die Craft Beer Boys ansehe, scheint auch die Welt des Bieres deutlich reichhaltiger zu sein, als uns die engen Schranken des Reinheitsgebots glauben lassen. Ich bin großer Fan des Mexikaners im Heimat+Hafen. Es lässt sich wohl so zusammenfassen, dass ich gerne für den Geschmack Alkohol trinke – und dann eben auch die Nebenwirkungen in Kauf nehme – aber nicht zur Entspannung, zur Belohnung oder um zu vergessen, wie das in unserer Gesellschaft ja durchaus Kultur ist.

Qualität vor Quantität
Letztlich führen alle diese Überlegungen dazu, dass ich mich frage, ob ich nicht vollständig auf Alkohol verzichten kann. Es wäre gesünder, vermutlich wäre es auch billiger. Andererseits kommt es durchaus vor, dass man unangenehm auffällt, wenn man als einziger in einer Runde nichts trinkt, ohne dass man fahren muss will oder medizinisch ausfällt. Es gibt da anscheinend durchaus Parallelen in der Reaktion des Umfelds zwischen vegetarischer Ernährung und Alkohol-Abstinenz.

Und letztlich würde es mir doch schwer fallen, meine Weine nicht mehr anzurühren. Und manchmal habe ich auch richtig Lust auf ein Bier mit guten Freunden. Ich kann halt auch nicht aus der Kultur ganz raus. Alkohol aus Lust am Geschmack: ja. Um zu entspannen tut’s ein Nickerchen viel besser, um albern zu sein reicht es auch, die Konventionen der Zivilisation einfach abzulegen.

Ganz auf Alkohol zu verzichten wäre so wie ganz auf Fleisch zu verzichten: An sich richtig und logisch, Aber ich kann und will es noch nicht. aber bis ich mich dazu hinreissen lasse, werde ich lieber weniger und dafür qualitativ hochwertigen Alkohol verkosten und in Maßen genießen

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2 Comments

  1. Tobias Künning 8. Juni 2014

    Ich habe seit Januar, nachdem man Bluthochdruck feststellte, nur einmal Alkohol getrunken. Ich muss sagen darauf zu verzichten ist eigentlich einfach. Wobei zu einem guten Rotwein oder einem guten Whiskey würde ich nicht nein sagen. Was ich allerdings nicht brauche ist Deutsches Bier, das Reinheitsgebote drängt das Bier in Schranken die man Bier nicht geben sollte. Ich war letztes Jahr in London und habe dort einige tolle Biere getrunken und ich kann seitdem nicht nachvollziehen was so wunderbar an dem Reinheitsgebot ist, es ist für mich wie die Buchpreisbindung. Ein Relikt aus alter Zeit. Alkohol gehört leider zu unserer Kultur dazu, allerdings sollte man sich selbst disziplinieren damit er keine negativen Einflüsse auf das Handeln oder die Gesundheit hat.

  2. Toby 11. Juni 2014

    Hi Dominic,
    freut mich, wenn ich Dich dazu animiert habe, über das Ausmaß des Alkoholkonsums nachzudenken. Ich war auch nicht wirklich Bundesliga, aber wahrscheinlich eher so Oberliga Nord: kein Profi, also kein Alkoholiker, der einen Entzug braucht, aber durchaus sportlich. Die Idee, den Konsum auf ein vernünftiges Maß einzuschränken habe ich mehrere Jahre immer mal wieder probiert, aber nie zu meiner Zufriedenheit. Ich dachte auch, dass es mir schwer fallen würde, auf den leckeren Wein oder den Whisky zu verzichten, aber bisher (3 Wochen) vermisse ich überhaupt nichts, fühle mich stattdessen pudelwohl. Interessanterweise ist es auch ein Unterschied zu den 7 Wochen ohne Alkohol, die ich mal in der Passionszeit gemacht habe. Vermutlich, weil ich da immer die Aussicht auf „ich darf ja bald wieder“ hatte.

    Naja, wie gesagt, jeder muss es für sich selbst entscheiden. Hauptsache ist, man fühlt sich wohl mit seiner Entscheidung 🙂

    Prost,
    Toby

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