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politisch – nachhaltig – persönlich

Funktionsgarantie

Ich habe einen Vollzeitjob, ich engagiere mich politisch, ein habe eine tolle Beziehung, wunderbare Freunde, Hobbys die mich erfüllen und Ziele, die ich erreichen will. Meine Aufgaben gehe ich am liebsten mit 100% an, nur Dienst nach Vorschrift zu erledigen, fände ich langweilig, nur das Nötigste an Unterstützung zu geben, ist nicht mein Stil. Ich gebe immer gerne gleich die ganze Hand her.

Von Freunden und Bekannten, die mein Leben direkt oder indirekt mitbekommen, höre ich immer mal wieder, dass es sie erstaunt, wie ich das alles schaffe. Manchmal schwingt dabei ein bisschen Sorge um mich durch, dass ich mich übernehmen könnte. Eine Sorge sogar sehr gut nachvollziehen kann und die ich sehr ernst nehme. Schließlich trügt der Blick in den Spiegel so manches Mal und ich kann mich glücklich schätzen, dass ich für mein Leben so einige „Berater“ habe, die mir zur rechten Zeit den Kopf waschen, wenn es denn nötig sei. Allerdings kann ich die Sorge um zu viele Aufgaben für zu wenig Leben zerstreuen. Ich sehe mich weit davon entfernt davon, mich kaputt zu arbeiten. Die Tatsache, dass mich auch ein Tag mit Überstunden im Büro, mit gerade genug Zeit um Zuhause die Radtaschen abzuladen und einer grünen Aktion bis in den Spätabend nicht aus der Bahn wirft, hat vermutlich mehrere Gründe. Mir fällt es leicht, Dinge zu organisieren, ich lebe sehr gesund und ich ziehe große Freude daraus, vieles zu schaffen. Aber abgesehen davon gibt es meines Erachtens einen Konstante in meinem Leben, die mich entscheidend davor bewahrt, an meinen To-Do-Listen zu zerbrechen.

Mein Arbeitsweg
Ich besitze kein Auto, sondern fahre mit dem Zug vom Bielefelder Hauptbahnhof nach Sennestadt und anschließend mit meinem Pedelec die verbleibenden 12 Kilometer ins Büro. Ich brauche für diese Strecke etwa 25-30 Minuten, ich bin also eine gute Stunde jeden Tag auf meinem Fahrrad unterwegs. Die Strecke ist zu einem Großteil ein durchgehender Fahrradweg neben einer Landstraße, ohne Ampeln, mit wenig Seitenstraßen und sehr wenig anderem Radverkehr. Kurzum, ich kann die Strecke fast im Autopiloten abfahren.
Mein Kopf kann so morgens in Ruhe zur Höchstleistung hochfahren und auf dem Heimweg in Ruhe die Gedanken des Büros weg sortieren und den restlichen Tag durchplanen. Mein Puls ist derweil im optimalen Bereich für ein leichtes Kreislauftraining und obwohl ich die Strecke nun seit fast 5 Jahren befahre, lass ich immer noch den Blick über die Felder streifen, staune über einen besonders schönen Sonnenaufgang oder entdecke Störche fast direkt neben dem Radweg stehen.

Zwar höre ich über iPhone und Bluetooth-Headset während der Fahrt Podcasts oder Hörspiele, ich habe aber nicht das Gefühl, in dieser Zeit wirklich erreichbar zu sein. Es gibt nur mich, mein Rad und die Welt um mich herum. In dem Wissen, dass ich nun eine gute halbe Stunde „für mich“ bin, steige ich auf und bin sofort entspannt, egal wie schlecht die Nacht vorher war oder wie anstrengend der Arbeitstag gelaufen ist. Mein Arbeitsweg per Pedelec ist nicht nur günstiger, ökologischer und gesünder als die Fahrt mit dem Auto, sondern es garantiert mir eine Stunde am Tag, in der meine Welt entschleunigt, ich keine Mails sofort beantworten muss, keine schnellen Antworten auf Nachrichten erfolgen und mein Kopf frei ist.

Mein Fahrrad garantiert mir, dass mein volles Leben so funktioniert, wie es funktioniert.

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